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Keine Scheu vor dem großen Vorbild

BAD HOMBURG - Volksbühne überzeugt mit "Sonny Boys" - Heute weitere Aufführung im Kurtheater
 

"Sie Quacksalber!" Al Lewis (Oliver Glaap) schimpft mit Doc Willie Clark (Michael Richter). FOTO: martina dreisbach 

 

Das mit der Tür ist nicht neu, aber gut. Hier sogar sehr gut. Sie klemmt. Der hochgewachsene Mann rüttelt an der Klinke, dass man um die Kulisse fürchten muss. Die aber hält, was sie verspricht. Er kriegt die Tür auf, tritt in den Raum - und ist an der falschen Adresse angekommen. In einem Versicherungsbüro mit einer herrlich wilden Aktenwand, Schreibtisch und einem couragierten "Bürofrollein" (Carmen Maus), das dem ungebetenen Besucher gehörig den Marsch bläst.

Der versteht nichts. Nicht, dass ihm nicht der rote Teppich ausgerollt wird, und schon gar nicht, dass er am falschen Ende der Stadt gelandet ist, im Osten, statt im Westen. Und das in New York.

Wo er nun das Vorsprechen für die Kartoffelchips-Werbung in der Agentur mit dem enervierten TV-Produzenten (Harald Tietz) fast verpasst, das ihm der Neffe erkämpft hat.

Ihm, dem gealterten Star der Comedy-Szene, der sich allerdings - und das ist und bleibt an diesem Theaterabend der Volksbühne komisch - immer noch, typisch Mann, für den Größten hält. Trotz der schlechten Ohren. Michael Richter gibt den Willie Clark mit links im gestreiften Pyjama, launig-fahriger Sprache, zerstreutem Wesen, ungebrochenem Selbstbewusstsein.

Kein schlechter Anfang, da will man mehr, am Samstagabend mit der Volksbühne im Kurtheater, bei der Premiere von "Die Sonny Boys", einem legendären Stück des amerikanischen Theaterschriftstellers Neil Simon. Und die bessere Hälfte ist schon im Kommen. Denn in dieser bissigen, aber auch den unabwendbaren Gang der Dinge persiflierenden Komödie geht es um zwei weltberühmte Komiker, die ein Leben lang gemeinsam gespielt haben, aber jetzt seit elf Jahren im Ruhestand sind und nun noch einmal in einer Fernsehshow zusammen auftreten sollen. Kein leichtes Unterfangen, denn die beiden konnten sich nicht ausstehen. Aber sie konnten auch nicht ohne einander. Beste Feinde.

Ein Klassiker mit Pfiff

Wichtigster Dritter ist der Neffe Ben Silverman (Alexander Schlaaff), der das Gezänke der beiden alten Streithähne erträgt, glättet und - aber nicht alles soll verraten werden.

Nach vielem Hin und Her, klemmenden Türen und dem sich verwehrenden Willie kommt es dann doch zu einer ersten Begegnung der einst unzertrennlichen Feinde: Al Lewis, als congeniales Gegenüber des Hühnen Willie, ausstaffiert von Oliver Glaap, der seine gepflegte Stimme mit altersvergesslicher Brüchigkeit ummantelt.

Das Stück hat Pfiff und lässt das Genre Theater mit seiner Unmittelbarkeit glänzen. Auch im Kleinen, bei den brillant besetzten Nebenrollen (das grinsende Skelett eingeschlossen), etwa der konfektessenden Krankenschwester (Simone Woyke).

Die Premiere des Stücks hat auch nach sechzig Jahren von seinem Witz nichts eingebüßt. Die Inszenierung trifft auf ein amüsiertes Publikum, das aus seinem Vergnügen an der versierten und spielfreudigen Truppe keinen Hehl macht, die Witze mit Lachen und Beifall goutiert und sich in der Pause in die gut gelaunte, aber ellenlange Schlange vorm Getränkebuffet einreiht. Regisseur Rainer Maria Ehrhardt hat sich von der durchaus weltberühmten Verfilmung mit Walter Matthau und George Burns nicht einschüchtern lassen. Da lässt langer Beifall natürlich nicht auf sich warten. Bravo!


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